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“Diabolus” von Dan Brown

21. July 2005

Erschienen 1998 unter dem Originaltitel “Digital Fortress”.

Nach dem überwältigenden Erfolg der beiden Vorgänger “Illuminati” und “Sakrileg” ist Dan Brown als Autor spannender Thriller in einem wissenschaftlichen Szenario etabliert. Man kann den Wunsch des deutschen Verlags verstehen, diese Glückssträhne zu nutzen, und so ist mit “Diabolus” die deutsche Übersetzung eines bereits 1998 im Original veröffentlichten Thrillers erschienen.

“Diabolus” hat bereits alle Zutaten der späteren Bücher Dan Browns:

  • mehrere Handlungsstränge, die in vielen kurzen, szenenhaften Kapiteln gegeneinander geschnitten werden, um so die Spannung immer wieder neu anzufachen.
  • einen professoralen Helden, der nach dem Muster von Indiana Jones geformt ist: Intelligent, gut aussehend, kühn auch in brenzligen Situationen.
  • eine krause Theorie über eine Weltverschwörung, die mit echten Fakten und gut dazugemischten Halbwahrheiten beinahe glaubwürdig wird.

Ums kurz zu machen: Dan Brown hat unter Betrachtung der Reihenfolge der Originale seither viel dazu gelernt.

Kein Stress, keine Termine…

Das Buch braucht gut die erste Hälfte der 524 Seiten, um in Fahrt zu kommen und bietet bis dahin nur eine Abfolge von Szenen an exotischen Orten wie Sevilla oder dem atombombensicherer Hochleistungsrechenzentrum der NSA, verliert sich aber in dieser Phase in der Erläuterung technischer Details über das damals noch ziemlich elitäre Internet, Verschlüsselungsverfahren, staatliche E-Mail-Überwachung und ähnliche 1998 wohl als brisant erachtete Themen.

Das alles, ohne die Chance zu ergreifen, den eigentlichen Konflikt, der das Thema das Buches bestimmt, näher auszubauen: Welches Recht hat der Staat zum Eingriff in die private Kommunikation seiner Bürger unter der Prämisse des Schutzes vor Terrorismus und Kriminalität?

Deutsche Sprache: Schwere Sprache

Obs am Übersetzer oder am Autor liegt, müsste man an Hand des amerikanischen Originals feststellen. Jedenfalls ist die deutsche Fassung an einigen Stellen sprachlich platt und bedient sich an den diesbezüglichen Tiefpunkten bei Phrasen, die sonst in Groschenheften (Cent-Heften?) zu finden sind.

So hat der Held “mit scharf blickenden grünen Augen” “markante Gesichtszüge”, die “an eine antike Marmorstatue” erinnern, und seine geliebte Kryptographin natürlich “schulterlanges kastanienbraunes Haar, einen schlanken Oberkörper und einen IQ von 170”. Pah.

Kreislaufschonend verarbeitet

Sakrileg war ein nervenzerfetzender Thriller, den ich ohne Pause in wenigen Stunden verschlungen habe. Diabolus ist das nicht.

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